Geschichte

Impressionen Assoziationen Dekanat Emschertal

Vorgetragen bei der Auftaktveranstaltung des Dekanates am 18.8.2006

† Dechant Zerkowski

Impressionen – Assoziationen Dekanat Emschertal               

 

Der Name „Emschertal“ ist bewusst gewählt. Zunächst natürlich aus der Not heraus, dass wir nicht drei Städte -Namen hintereinander setzen wollten. Dann haben wir nach Gemeinsamkeiten gesucht. Wir sind an dem Fluss hängengeblieben, der über die Zeiten hinweg für unseren Raum eine wichtige Bedeutung hatte und weiterhin seine Rolle spielen wird – eine zukunftsträchtige Rolle.

Nun darf man Bildworte oder Namen nicht überstrapazieren. Aber was wir mit der Geburt des neuen Dekanates verbinden, erhoffen und erwünschen, das lässt sich an einigen Charistika der Emscher festmachen.

Ich nenne einige Stichwörter.

 

Stichwort „Bodenständigkeit“

 
Die Emscher ist eng mit der Geschichte unseres Raumes verbunden.

Ich denke an das kleine Flüsschen, das bis ins 19. Jh. mit zahlreichen Mühlen bestückt war bei geringer Besiedelung.

Mit der Industrialisierung – der Bergbau und die Schwerindustrie prägten diese Zeit – wurde die Emscher zum Abwasserfluss mit regelmäßigen Überschwemmungen. Die Bevölkerungsdichte nahm rasant zu.

1899 wurde die Emschergenossenschaft gegründet. Sie sorgte für eine geregelte Abwasserversorgung. Die Emscher wurde zum offenen Abwasserkanal.

Dieses dunkle, anrüchige Kapitel soll bald der Vergangenheit angehören durch das Renaturierungsprogramm.
 

Für uns heißt das: Wir wollen „Kirche vor Ort“ sein. Wir bekennen uns klar und selbstbewusst zum lokalen Umfeld und zu den Menschen im Emscherraum. Mit den Menschen hier haben wir unterschiedlich prosperierende wie bescheidene Zeiten erlebt. Mit dem Zuzug der Menschen aus allen möglichen deutschen Gegenden sind unsere Gemeinden entstanden und groß geworden. Das Zechen- sterben und der Wegfall der Zulieferbetriebe – die strukturelle Umwandlung des Ruhrgebietes insgesamt – ist an uns nicht spurlos vorübergegangen.

In all diesen Zeiten waren wir als „Kirche vor Ort“ für die uns nahestehenden Menschen ein verlässlicher Begleiter und eine geistliche Heimat – ein Feier- und Auffangort für die verschiedensten persönlichen oder gemeinsamen Lebensereignisse.

 

 

Stichwort „Tatkräftigkeit“

 
Die Tatkraft der Menschen hat die Emscherregion groß gemacht. Sie ist noch heute einer der größten Ballungsräume Europas. Die Tatkraft mag heutzutage mit erlahmten Flügeln erscheinen. Die angedachten Zukunftsplanungen werden uns neu Beine machen. Ich denke an die „Europäische Kulturhauptstadt 2010“ mit ihren stadtbezogenen Einzelprojekten. Ich denke nicht zuletzt an das schon begonnene Renaturierungsprogramm der Emscher.

 
Für uns heißt das: Als „Kirche vor Ort“ wollen wir es nicht bei frommen Worten bewenden lassen. Wir möchten mitdenken und mittun, um dem Leben hier Gehalt und Gestalt zu geben. Mit den Mitarbeiterkreisen und den verschiedensten Unterstützungssystemen möchten wir mit Rat und Tat zur Stelle sein. Wir möchten Mut machen, die Ressourcen zu entdecken, die da sind, um einen bewohnbaren Lebensraum zu schaffen.

 

 

Stichwort „Verflüssigung“

 
Für die Emscher versteht sich dieses Wort von selbst. Wir haben es ja nicht mit einem stehenden Gewässer zu tun. Die Emscher durchfließt unseren Raum von Holzwickede bis Duisburg.

Für uns heißt das: Vieles, was mit „Kirche“ zusammenhängt, ist bekannt – es ist eingespielt und eingefahren. Für manche erscheint die Kirche wie ein gezähmter, einbetonierter Fluss. Es besteht Handlungs- und Erneuerungsbedarf. Als Dekanatsteam fühlen wir uns herausgefordert. Wir wollen nicht nur bei dem bekannten, traditionellen Programm stehen bleiben, sondern wir werden nach neuen Ausdrucksformen der Glaubens – Botschaft suchen.

Dazu wird es eine eigene Arbeitsgruppe mit einem eigenen Projektleiter geben. Sie werden in religiös angestrengten Zeiten die alte Botschaft neu in Fluss bringen.

 

 

Stichwort „Solidarität“

 
In der Emschergenossenschaft fanden sich Kommunen und Unternehmen zusammen, um zugunsten der Menschen das Notwendige zu tun: von der Abwasserreinigung über den Hochwasserschutz bis hin zur Abflusssicherung.

 
Wir möchten uns nicht nur als eine innerkirchliche Einrichtung verstehen, sondern als wache Beobachterin der Zeit – Zeichen. Wir möchten mitbekommen, wie es den Menschen in unseren Städten und Ortsteilen geht, mit welchen Fragen und Sorgen sie unterwegs sind und unter welchen sozialen Problemen sie zu leiden haben. Unsere Solidarität ist da angefragt.

Soweit es uns möglich ist, werden wir uns einmischen und mit den sozialen Verbänden und Bewegungen Verbindung halten, die sich gerade für die Benachteiligten in unserer Gesellschaft einsetzen. Beispielhaft sei das „Herner Sozialforum“ genannt.

 

 

Stichwort „Zukunftsfähigkeit“

 
Das Renaturierungsprogramm für die Emscher ist eingeläutet – anfanghaft schon in Angriff genommen. Blaues Wasser in der Emscher – so wird es einmal wieder heißen. Der zum Abwasserkanal verkommene Fluss soll wieder zur Lebensader mit Freizeitwert werden.

 
Gerade das Zukunftsprojekt „Renaturierung“ ist für uns ein positiver Impuls. Wir möchten damit sagen, dass wir zwar geschichtsbewusst, aber nicht vergangenheitsverliebt sind. Bei aller Beständigkeit der christlichen Grundbotschaft sind wir uns bewusst: Eine geistesgegenwärtige Kirche lebt auf der Höhe der Zeit. Sie orientiert sich an den Notwendigkeiten der Jetztzeit und streckt sich aus nach dem, was von dem Zukunftsprogramm Gottes noch aussteht. Zumindest möchten wir uns die Vision von Seiner neuen Welt mit einem Mehr an friedlichem Zusammenleben, einem Mehr an gerechter Verteilung der vorhandenen Güter und einem Mehr an wahrhaftigem Umgang miteinander nicht ausreden lassen. Dem „Mehr – Wert Leben“ gehört die Zukunft – in Gott verwurzelt und den Menschen nahe.